20. Mediensucht-Fachtag - Immer noch überrascht?!
Warum Wissen allein keine Veränderung schafft
Der 20. Mediensucht-Fachtag blickt zurück – und vor allem nach vorn.
Unter dem Titel „Immer noch überrascht?“ fragen wir, warum vorhandenes Wissen zum Themenfeld Mediensucht bislang nur begrenzt Veränderung bewirkt.
Im Mittelpunkt stehen aktuelle Befunde zur Mediennutzung junger Menschen und ihre Bedeutung für die pädagogische Praxis: Wie sieht Mediensucht heute aus – in einer Welt mit Social Media, KI, Smartphones und permanentem Online-Zugang? Wie verändern sich Risikofaktoren, wie die Wirkfaktoren präventiver und rehabilitativer Arbeit?
Unsere Referent*innen und Workshops richten den Blick konsequent nach vorn: Sie zeigen auf, welche Ressourcen Kinder, Jugendliche und Erwachsene im digitalen Alltag mitbringen. Statt Defiziten stehen Schutzfaktoren, Beziehungsgestaltung und Selbstwirksamkeit im Fokus.
Der Fachtag lädt dazu ein, bestehende Annahmen zu hinterfragen, neue Perspektiven zu entwickeln – und fachliche Handlungssicherheit zu stärken.
Es erwartet Sie ein interessantes Programm aus Vorträgen und handlungsorientierten Workshops. Ab 16 Uhr laden wir herzlich ein, das 20. Jubiläum des Mediensucht-Fachtags gemeinsam mit uns zu feiern.
Das Programm
9:00 Uhr
Begrüßung und Grußwort der Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration Claudia Schilling
9:30 Uhr
Vortrag: Zwischen Reiz und Widerstand – wie Menschen lernen, sich nicht zu verlieren
In einer zunehmend vulnerablen Gesellschaft wird Selbstregulation zur Schlüsselkompetenz – besonders im Umgang mit Mediennutzung und Glücksspielsucht. Wissen allein verändert Verhalten jedoch nicht – entscheidend ist der Zustand, aus dem heraus wir handeln. Im Fokus steht die Frage, wie Fachpersonen Menschen so begleiten können, dass neue Zugänge entstehen – jenseits von Kontrolle und reiner Verhaltenssteuerung.
Michèle Wilhelm, Psychologin und Spielpädagogin
10:30 Uhr
Pause
10:45 Uhr
Vortrag: Wie sich Jugendsexualität digitalisiert hat und was es jetzt braucht
Von Pornos und Sexting bis hin zu digitalen sexuellen Grenzverletzungen - Jugendliche erleben Sexualität heute oft zuerst online. Wie können Erwachsene sie dabei kompetent begleiten? Ein Plädoyer für sexuelle Medienkompetenz, offene Gespräche und Empathie.
Madita Oeming, Kulturwissenschaftlerin, Autorin und Sexualpädagogin
11:45 Uhr
Pause
12:00 Uhr
Vortrag: Problematische Nutzung von digitalen Medien: Wo stehen wir? Wie geht es weiter?
Seit Entwicklung des iPhones hat sich die digitale Welt sehr rasch verändert. Nahezu unreguliert haben die neuen Möglichkeiten unsere Welt erobert. Neben den neuen Annehmlichkeiten haben sich problematische, schädliche und süchtige Nutzungsformen entwickelt, die insbesondere in die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen eingreifen. Was können wir für die Zukunft erwarten und welche Gegenmaßnahmen stehen uns zur Verfügung?
Dr. phil. Dipl.-Psych. Hans-Jürgen Rumpf, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
13:00 Uhr
Mittagspause
14:00 Uhr
Handlungsorienierte Workshops: Was können wir tun? Wie können wir unterstützen?
- Risiko mit Resilienz begegnen – erprobte Methoden aus der Praxis
Resilient statt abhängig: Mit Schutzfaktoren Risiken problematischer Mediennutzung begegnen. Jugendliche nutzen digitale Medien heute selbstverständlich zur Unterhaltung, sozialen Orientierung und Stressbewältigung. Gleichzeitig erhöhen Faktoren wie emotionale Belastungen, soziale Unsicherheit oder fehlende Selbstregulationsstrategien das Risiko problematischer Konsummuster und Verhaltensweisen - insbesondere zunehmend exzessive Mediennutzung. Die Referentinnen zeigen im Workshop praxisnah, wie Fachkräfte diesen Risikofaktoren mit resilienzbildenden Methoden begegnen können. Mit konkreten Übungen, Reflexionsmethoden und Gesprächsansätzen werden Methoden vorgestellt und direkt angewandt, die Selbstwirksamkeit, Emotionsregulation und soziale Ressourcen bei Jugendlichen stärken –entwicklungspsychologisch fundiert und alltagsnah umsetzbar.
Alina Schwennen und Sophie-Michelle Pohlmeyer, Gesundheit und Suchtprävention am Landesinstitut für Schule (LIS) - Smart statt süchtig: Digitale Balance im Schulalltag stärken
Dark Patterns, Lootboxen, endlose Feeds oder KI-Tools wie ChatGPT – viele digitale Angebote sind gezielt darauf ausgelegt, Nutzung zu verlängern. Dieser Workshop zeigt praxisnah, wie Lehrkräfte und Fachkräfte der Jugendhilfe alltagsnah und ohne erhobenen Zeigefinger umsetzen können. Mit konkreten Methoden, Übungen und Gesprächsansätzen fördern wir Reflexion, Selbstkontrolle und einen maßvollen Umgang mit digitalen Medien – inklusive Schutz vor Risiken im Netz.
Andreas Pauly, Geschäftsführer Mediensuchtprävention NRW e.V. - "Oh, das wusste ich ja gar nicht" – Die unbekannten Dimensionen sexualisierter digitaler Gewalt
Erfahrungen und Praxiseinblicke in das Projekt WTF*- Digitale Selbstverteidigung für Mädchen* und junge Frauen* im Rahmen der Istanbul-Convention in Bremerhaven.
Ronja Korfe, ServiceBureau Jugendinformation
20 Jahre Mediensucht-Fachtag in Bremen: Feiern Sie mit uns!
Seit zwei Jahrzehnten bringt der Bremer Mediensucht-Fachtag Fachkräfte aus Medienpädagogik, Prävention und therapeutischer Praxis zusammen – ein bundesweit einzigartiger, interdisziplinärer Austauschraum rund um Mediennutzung und exzessiven Medienkonsum.
Dieses Jubiläum möchten wir gemeinsam feiern. Zum Abschluss des Fachtags laden wir ab 16 Uhr bis ca. 20 Uhr herzlich zum Get-together ein – für Gespräche, Vernetzung und neue Perspektiven.
Unter dem Leitmotiv „Lust–Last–Lost“ geht es um die Freude an Medien, die präventive Auseinandersetzung mit ihren Risiken und die Unterstützung für Menschen, die den Weg aus problematischer Nutzung nicht mehr alleine finden.
Wir freuen uns auf zahlreiches Erscheinen.
Veranstaltungsdetails
Termin
-
1.10.26 9:00 Uhr bis1.10.26 17:00 Uhr
Ort
-
Jugendbildungsstätte LidiceHaus
Weg zum Krähenberg 33a
28201 Bremen
Kosten
- 80 Euro
