UNTER DRUCK. Handlungsoptionen für die Kinder- und Jugendarbeit in Zeiten von Rechtsruck und Unterfinanzierung
Infragestellungen, Kürzungsdebatten, Angriffe und Bedrohungen beschäftigen die Kinder- und Jugendarbeit und die Jugendverbandsarbeit bundesweit. Ob der rechtsextreme Brandanschlag auf die Friese, die drohende Schließung des Sielwallhauses oder parlamentarische Anfragen zu ‚Neutralität‘ und Förderfähigkeit – die Angriffe auf Jugendhäuser, (Jugend-)Bildungsarbeit und Jugendverbände sind auch in Bremen vielfältig. Eine zunehmend prekäre finanzielle Lage erschwert die Arbeit zusätzlich. Die Kinder- und Jugendarbeit steht unter massivem Druck.
Damit einher geht eine Verschärfung des gesellschaftlichen Klimas: Extrem rechte Einstellungen nehmen in weiten Teilen der Gesellschaft rasant zu, populistische Narrative haben massiv an Einfluss gewonnen. Die Mitte-Studie 2025 zeigt deutlich, wie antidemokratische Tendenzen den gesellschaftlichen Zusammenhalt bedrohen und auch junge Menschen ansprechen.
Vor diesem Hintergrund lädt das Soli-Netzwerk gegen Rechts zu einem Fachtag ein, der den gesellschaftlichen Rechtsruck und seine Folgen für die Kinder- und Jugendarbeit und junge Menschen in den Mittelpunkt stellt. Insbesondere die Forderung, Kinder- und Jugendarbeit müsse politisch neutral bleiben, wird benutzt, um Einfluss auf den politischen Diskurs zu nehmen, unliebsame Positionen und Gegner zu diffamieren, und wird mit der Drohung verbunden, Fördermittel zu entziehen. Doch Kinder- und Jugendarbeit hat einen klaren demokratischen Auftrag und darf – ja, muss! – parteilich für Menschenwürde, Gleichberechtigung und demokratische Werte eintreten.
Der Fachtag knüpft hier an und bietet Raum für Reflexion, Austausch, Vernetzung und die Entwicklung von praxisorientierten pädagogischen Handlungsstrategien.
Vorträge
Die Fachvorträge von Jana Sämann und Andrea Röpke geben Einblick in den zunehmenden Rechtsruck und den Diskurs um das sogenannte Neutralitätsgebot.
Eröffnungsvortrag
Angriffsflächen: Zur Prekarisierung von Jugendarbeit im Kontext von ‚Rechtsruck‘, Neutralitätsanrufungen und generellen Rechtfertigungsnotwendigkeiten mit Jana Sämann (sie/ihr)
Ein Abriss und eine Einordnung zum gesellschaftlichen Kontext in demKinder- und Jugendarbeit zunehmend zur Zielscheibe extrem rechter Akteur*innen wird.
Abschlussvortrag
Im Visier: Wie Rechtsextreme Jugendliche für sich gewinnen mit Andrea Röpke (sie/ihr)
Vom Jungadler, über den III. Weg bis zur Weserems.aktion – Jugendliche sind im Visier rechter Demokratiefeinde. Sie nutzen familiäre Verbindungen, Kampfsport oder Volkstümlichkeit, Demonstrationen und Tiktok um Nachwuchs zu rekrutieren. Alarmierende Aggressionen an Schulen, White Power-Zeichen bei Volksfesten oder Fan-Gemeinschaften für rechte Gewalttäter zeugen davon, dass deren vielfältige Strategien aufgehen und die Szene bei Jugendlichen an Attraktivität gewinnt. Ziel ist, sie langfristig einer progressiven Gesellschaft zu entziehen.
Workshops
In Workshops entwickeln und diskutieren die Teilnehmer*innen Handlungsoptionen und Schutzstrategien, um auf rechte Angriffe reagieren, Haltung zeigen und ihre Arbeit fachlich verteidigen zu können. Die Räume sollen auch genutzt werden, um sich zu vernetzen und längerfristige Zusammenarbeit anzustoßen. Die Workshops werden von Fachkräften aus bundesweiten Beratungsstellen und Dachverbänden wie soliport, AGJF Sachsen u.a. geleitet.
Workshops am Vormittag
WS1: Beyond my Remit: Sustainability in Working with Youths Empowerment-WS for BIPoC (offered in English) mit Sunny Omwenyeke (er/ihm) vom Bremen Solidarity Centre
This interactive empowerment workshop is designed for BIPoC and it is targeted at staff and volunteers in the youth and educational sector. In this workshop, we will look at the necessities and challenges including a critical view of the power structure in the field of youth work and education. Are these dyna-mics sustainable or they are beyond my remit? This, and similar questions, should provide some lively and thought-provoking exchange.
WS2: Zwischen Likes und Hass. Content und Strategien der Rechten am Beispiel geschlechtsspezifischer digitaler Gewalt mit Ronja Korfe (sie/ihr) vom Projekt WTF* im ServiceBureau Jugendinformation
Rechte Akteur*innen und Organisationen nutzen immer häufiger Social-Media-Plattformen und deren Funktionsweisen, um User*innen zu erreichen. Wie genau funktioniert diese Beeinflussung, welcher Content und welche Strategien werden hierfür genutzt? Gemeinsam schauen wir uns diese Phänomene insbesondere im Bezug zu geschlechtsspezifischer digitaler Gewalt an und ergründen die Überschneidungen von misogynen und demokratiefeindlichen Inhalten.
WS3: Schutz vor rechter Gewalt mit Jonas Frykman (er/ihm) von Zusammen für Demokratie
Bedrohungen und Gewalttaten gegen Personen und Einrichtungen, die von Rechtsextremen abgelehnt werden, nehmen zu. Das wird sich wahrscheinlich weiter verschärfen. Wie können wir uns auf eine Eskalation vorbereiten und unsere Netzwerke und Treffpunkte vor Gewalt schützen? Im Workshop diskutieren wir anhand praktischer Erfahrungen übertragbare Ansätze.
WS4: Erste Hilfe für Betroffene von (extrem) rechter Gewalt (tbd) mit soliport Bremen
Workshops am Nachmittag
WS5: Geschlechterbilder in der extremen Rechten und ihre Bedeutung für die Jugendarbeit mit Laura (keine Pronomen) von Dissens e.V.
In den letzten Jahren wurden die Sagbarkeitsräume erweitert, in denen Antifeminismus, Queer-, und Transfeindlichkeit den gesellschaftlichen Diskurs beeinflussen. Obwohl sich Geschlechterbilder verändern, erstarken zeitgleich retraditionalisierte autoritäre Geschlechteranforderungen. Pädagogische Fachkräfte sind mit der Aufgabe konfrontiert, die Formen von Benachteiligung und Machtverhältnissen wahrzunehmen sowie Prozesse der Selbstbestimmung und das Streben nach Geschlechtervielfalt zu unterstützen. Neben Wissensvermittlung liegt der Fokus auf dem Austausch zur Erarbeitung von Strategien und Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit autoritäten Geschlechteranforderungen in der Kinder- und Jugendarbeit.
WS6: “Ihr seid doch alle willkommen” – Warum das nicht reicht mit Velican Yılocağı (keine Pronomen) von VY Awarenessbildung
Angebote für alle? Bei rechten Bedrohungs-lagen reicht ein passives Willkommenheißen meist nicht aus, um marginalisierte junge Menschen wie queere Jugendliche und Bi_PoC effektiv zu schützen und zu erreichen. Dieser 90-minütige Workshop bietet einen praxisnahen und niederschwelligen Einstieg in das Thema in Theorie und Praxis. Wir reflektieren und beleuchten gemeinsam, wie eine proaktive und schützende Begleitung von marginalisierten Jugendlichen gelingen kann.
WS7: Zwischen Spielspaß und Propaganda - Rechtsextremismus in Gaming-Communities erkennen mit Kevin (er/ihm) von medienbegleitung.de
Was haben Discord-Server, Gaming-Chats und Memes mit Rechtsextremismus zu tun? Rechtsextreme Gruppen nutzen digitale Gaming-Räume gezielt zur Vernetzung und Ansprache junger Menschen, oft subtil und schwer erkennbar. Der Workshop zeigt, wie diese Strategien funktionieren, welche Plattformen besonders relevant sind und wie Fachkräfte Kinder und Jugendliche dabei unterstützen können, extremistische Inhalte kritisch zu erkennen und einzuordnen.
WS8: Neue Entsicherung – anderer Widerstand. Fachliche Verortung zwischen Neutralitätsanrufungen und institutionellen Rahmenbedingungen mit Kai Dietrich (er/ihm) von der AGJF Sachsen
Immer wieder sind Träger, Fachkräfte und nicht zuletzt die Nutzer*innen der Jugendarbeit von politischen Interventionen und Neutralitätsforderungen betroffen, die das pädagogische und politische Handeln einschränken sollen. Dabei spielen „Extremismusvorwürfe“, fachliche In-Frage-Stellungen oder fiskalische Argumente eine Rolle. Viele der Einflussnahmen sind nicht nur fachlich sondern auch sachlich haltlos, denn sie versuchen an Strukturen zu rühren, die aus den Erfahrungen des NS mit gutem Grund geschaffen und rechtlich gesichert wurden. Der Workshop versucht sich an der Anarbeitung von praktischen Strategien und Handlungsmöglichkeiten angesichts einer neuen, gesellschaftlichen Lage.
Zielgruppe
Eingeladen sind pädagogische Fachkräfte (sowohl ehren- als auch hauptamtlich oder noch in Ausbildung/Studium) und junge Engagierte von freien und öffentlichen Trägern in Bremen, Bremerhaven und Umgebung.
Kosten
Teilnahmegebühren inklusive Mittagessen und Verpflegung
60,- € für Hauptamtliche
20,- € für Ehrenamtliche, Auszubildende und Engagierte
Am Geld soll es nicht scheitern: Solltet Ihr eine Ermäßigung benötigen, sprecht uns gerne an.
Wer sind wir?
Im Soli-Netzwerk gegen Rechts sind freie Träger aus Bremen und Bremerhaven organisiert, die emanzipatorische Kinder- und Jugendarbeit machen, und Fachstellen, die Betroffene rechter Angriffe unterstützen. Mitglieder sind unter aanderem der Bund Deutscher Pfadfinder_innen, die Naturfreundejugend/Die Buchte, Die Falken, das LidiceHaus, perspektive ausstieg und soliport.
Weitere Infos
Der Fachtag UNTER DRUCK. Handlungsoptionen für die Kinder- & Jugendarbeit in Zeiten von Rechtsruck & Unterfinanzierung ist als Bildungszeit im Land Bremen anerkannt.
Die Veranstaltung wir gefördert durch „Partnerschaft für Demokratie“ Bremen.
Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder sie von dieser auszuschließen.
Veranstaltungsdetails
Termin
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15.9.26 ,9:30 bis 17:30 Uhr
Ort
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Jugendbildungsstätte LidiceHaus
Weg zum Krähenberg 33a
28201 Bremen
Kosten
- 60 Euro
